E-Books als ePUB für Tolino & iBooks,
Kindle (mobi) und PDF bestellen...

Milena - Heart am Limit | Erotischer Roman

von

Dieses E-Book entspricht 472 Taschenbuchseiten

Eigentlich ist Milenas Leben ganz normal. Sie ist Ende dreißig, hat zwei fast erwachsene Töchter, ein Haus und einen Teilzeitjob.
Doch Oliver, ihr Ehemann, ist schon lange nicht mehr an ihr interessiert. Ihre enorme sexuelle Lust lebt sie daher mit dem fünfzehn Jahre jüngeren Ben aus, der außerdem dominant ist und ihre devote Neigung weckt. Und dann ist da noch Mike, der Tag und Nacht für Milena da ist und zu dem sie eine innige »Freundschaft plus« pflegt, die es ebenfalls in sich hat.
Oliver, Ben, Mike – sie alle sind zeitgleich Teil ihres (Liebes-)Lebens. Doch wer ist Milenas »Mr. Right«?

Über den Autor Julia M. Flinck:
Julia M. Flinck, gebürtige Venezianerin, lebt heute mit ihrem zweiten Ehemann im süddeutschen Raum. Früher schrieb die dreifache Mutter hauptsächlich Abenteuergeschichten für Kinder. Seit einigen Jahren konzentriert sie sich auf erotische Inhalte. Bei ihren Geschichten geht es um die ganz normalen Heldinnen und Helden des Alltags, um deren Bestreben, nicht von der Spur ihres Lebens zu entgleisen … und natürlich um die wichtigste Nebensache der Welt! Prickelnd, amüsant und spannend, ist ihr erster erotischer Roman gewissermaßen ebenfalls eine „Abenteuergeschichte“ – nur eben für Erwachsene.

Milena - Heart am Limit | Erotischer Roman

von Julia M. Flinck

Donnerstag war mein regelmäßiger Disco-Tag, da kam ich selten vor vier Uhr früh nach Hause, was kein Problem war, da ich freitags ja nicht arbeiten musste. Also wussten wir schon, wann es passieren würde. Nun hatten wir nur noch das Problem, den passenden Ort für unser Date zu finden. Leider fiel uns dazu nicht besonders viel ein. Es war Anfang Februar, also wirklich zu kalt für Freiluftveranstaltungen. Nach langem Hin und Her einigten wir uns mangels Alternative auf Bens Wohnung. Nun denn, ich hatte mir schon immer gewünscht, nachts allein hundertdreißig Kilometer durch die Gegend zu irren. Mein Orientierungssinn war extrem unterentwickelt, außerdem war ich mehr oder weniger nachtblind. Doch das war mir völlig egal. Ich wusste, was ich wollte – und ich wusste, wie ich es kriegen konnte. Das Spiel hatte begonnen, über die Folgen weigerte ich mich einfach nachzudenken.
Bis zu diesem ersten Donnerstag hatten wir einen sehr regen schriftlichen Gedankenaustausch, der sich logischerweise auf ein bestimmtes Thema beschränkte.
Meine Zunge wandert an der Innenseite deiner Schenkel entlang, ganz langsam, bis nach oben ...
Schlagartig wurde mir heiß. Er beschrieb genauer, was er mit seiner Zunge alles für mich tun könne. Ich hatte ernsthafte Schwierigkeiten, mich noch auf irgendetwas anderes zu konzentrieren. Stand mir eigentlich das Wort »SCHLAMPE« auf der Stirn oder fühlte ich mich nur so? – Ein paarmal bekam ich heiße SMS in der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit. Die anderen Fahrgäste dachten bestimmt, ich hätte Asthma, weil ich immer so schwer atmete. Eigentlich reichte schon der Piepton meines Handys, um mich in einen Zustand der totalen Erregung zu versetzen. Nun, ich war auch nicht faul und schrieb ihm – rechtzeitig zu seiner Frühstückspause – wie ich ihn gern morgens wecken würde. Vermutlich hatte er als Mann es schwerer als ich, seine sexuelle Erregung nach außen hin zu verbergen. Aber: Rache ist süß!
Wir zählten buchstäblich die Stunden, die zwischen uns lagen, und endlich war dieser lang ersehnte, ganz bestimmte Donnerstag da. Ich machte mich zurecht und zog mich schick an: Weich fließender mohnroter Seidenpulli, kurzer schwarzer Rock, elegante anthrazitfarbene Stiefeletten, halterlose Strümpfe – und sonst gar nichts. Ich liebte Kleidung in diesen Farben, denn sie unterstrich meinen Typ perfekt. Meine Haut behielt auch im Winter ihren warmen Braunton, sodass ich auf getönte Cremes, Rouge und dergleichen verzichten konnte. Das war auch gut so, da ich kein großes Talent zum Schminken besaß. Mein Make-up bestand deshalb auch heute lediglich aus dezentem, leicht verwischtem Kajal und schwarzer Mascara. Was immerhin meine schönen Augen und meine langen Wimpern betonte. Eigentlich fand ich mein Gesicht ein bisschen großflächig und meine Nase zu lang. Etwas Farbe auf den Lippen würde das zwar kaschieren und den Blick auf meinen Schmollmund lenken, doch das schien mir für das bevorstehende Date nicht relevant. Ich war mir ziemlich sicher, dass Ben sich eher weniger mit meinem Gesicht als mit anderen Regionen meines Körpers beschäftigen würde ...
Dass Oliver im Sportstudio und beide Mädchen ebenfalls noch unterwegs waren, kam mir sehr gelegen. Andernfalls hätte ich nämlich das Haus nicht im Minirock, sondern in der schwarzen Jeans verlassen, die ich mir nun wohlweislich für die Heimfahrt ins Auto legte. Jetzt hoffte ich nur noch, dass ich nicht ausgerechnet heute in eine Polizeikontrolle käme – denn der Rock war wirklich sehr kurz, und meine Freunde und Helfer hätten möglicherweise gedacht, dies sei meine »Arbeitskleidung«. Ich stieg in meinen Wagen, umklammerte mit vor Nervosität feuchten Händen das Lenkrad und brauste los. Ich, die normalerweise schon bei einem kurzen Stück Autobahn Schweißausbrüche bekam, blieb die meiste Zeit auf der linken Spur und überholte alles, was Räder hatte.
Als ich nach einer guten Stunde endlich die Autobahn verließ, sah ich schon von Weitem das »P+R«-Schild, welches den Parkplatz markierte, auf dem wir uns verabredet hatten. Ich hatte die ganze Zeit stärkste Bedenken, ob wir es überhaupt bis in seine Wohnung schaffen würden. Deshalb bekam ich vor Aufregung fast keine Luft, als ich meinen Wagen neben seinem abstellte. Ben stieg aus, ging um seinen Audi herum und öffnete meine Fahrertür.
»Hallo, schöne Frau«, begrüßte er mich und sah mir tief in die Augen. Ich bekam nur ein heiseres »Hi« heraus. Ich fühlte mich wie in der klassischen Szene mit dem hypnotisierten Kaninchen und der Schlange – und mir war völlig klar, wer von uns beiden gerade den Part des Kaninchens übernommen hatte. Zum Glück war es wirklich zu kalt, sonst wären wir vermutlich schon auf dem Parkplatz übereinander hergefallen.
Ben stieg also wieder ein, wendete und lenkte seinen Audi auf die Landstraße. Ich startete meinen alten Golf und folgte ihm. So fuhr ich gute zwanzig Minuten hinter ihm her durch verschiedene kleine Ortschaften, bis wir endlich vor dem Haus parkten, in dessen Dachgeschoss Ben seine Wohnung hatte.
Im Erdgeschoss wohnten seine Vermieter. Glücklicherweise begegneten weder sie noch einer der Mieter aus den beiden anderen Wohnungen uns an diesem Abend im Treppenhaus.
Wir gingen die Treppen hoch bis zu seiner Tür. Ben schloss auf und sagte: »Komm, ich zeig dir erst einmal meine Wohnung.«
Kam es mir nur so vor oder war er tatsächlich nervös?
Er führte mich ins Wohnzimmer, in die Küche und ins Badezimmer. Dann standen wir uns in der Diele gegenüber.
»Und? Wie findest du mein Zuhause?«, wollte er wissen.
Ich antwortete nicht. Erwartungsvoll sah ich ihn an.
Er holte tief Luft und sagte mit einem Anflug von Unsicherheit in der Stimme: »Tja, ich habe mir die ganze Zeit überlegt, wie man sich auf so etwas vorbereiten kann ...«
Ich trat auf ihn zu, legte ihm die Arme um den Hals und fragte nur: »Ben – zeigst du mir auch dein Schlafzimmer?«
Danach verloren wir nicht mehr viel Zeit: Er küsste mich ungeduldig und stürmisch und zog mich dabei nach nebenan ins Schlafzimmer. Eine Minute später lagen wir nackt auf seinem Bett. Mein Verstand musste mir entweder schon vorhin auf dem Weg nach oben oder hier zwischen unseren wahllos verstreuten Klamotten abhandengekommen sein ... So schnell wie Ben hatte ich noch nie einen Kerl ausgezogen. Und es lohnte sich wirklich – er war der am besten gebaute Mann, den ich je nackt gesehen hatte. Noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Und ich konnte mir eine ganze Menge vorstellen. Mit diesem durchtrainierten Body hätte er als Stripper sicher mehr verdient als im Andromeda hinter der Bar oder an der Garderobe!
Ben begann mich zu streicheln. Doch das dauerte mir viel zu lange. »Wo ist das Gummi?«, fragte ich mit vor Erregung zitternder Stimme. »Ich will mit dir schlafen – jetzt gleich.«
Wortlos drehte er sich zum Nachttisch, nahm von dort ein Kondom und rollte es sich geschickt über. Seine Hände öffneten meine Schenkel, und als er mich dort berührte, zerfloss ich fast vor Begierde. Er kniete sich zwischen meine Beine, die ich ganz eng an mich zog, um es ihm leicht zu machen. Ich konnte es kaum erwarten, ihn endlich zu spüren. Sekunden später drang er in mich ein, Zentimeter für Zentimeter, immer tiefer … ich spürte ihn weit oben in meinem Bauch – ein herrliches Gefühl. Er begann sich zu bewegen, zuerst langsam und vorsichtig, dann schneller und fester … dann wieder so tief, dass ich laut aufstöhnte, weil er irgendwo oben anstieß.
***
»Na ja, ich meine, wie fühlst du dich jetzt? War es so, wie du es dir vorgestellt hast?«
»Nein, es war besser, viel besser ... Trotzdem – ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe ein ziemlich schlechtes Gewissen. Normalerweise mache ich so etwas nicht. Ich hatte noch nie Sex mit einer verheirateten Frau …«
Nun, dachte ich mir, das liegt vielleicht daran, dass du so jung bist und sich dazu bisher vermutlich eher selten eine Gelegenheit ergeben hat.
Ich räusperte mich und sagte: »Du wirst es nicht glauben, aber auch ich habe ein schlechtes Gewissen, denn das war mein Debüt als Ehebrecherin. Ich habe meinen Mann noch nie betrogen! Und auch jetzt kommt es mir gar nicht so vor. Zwar habe ich schon das Gefühl, etwas Verbotenes getan zu haben – aber es ist eher so, als hätte ich heimlich geraucht und dürfte mich nicht erwischen lassen. Verstehst du, was ich meine?«
Ben lachte leise, dann antwortete er: »Ich denke schon. Hoffen wir, dass du nicht erwischt wirst.«
Spät in der Nacht fuhr ich zurück, noch immer erregt und erhitzt, mit einem wirren Kopf und einem Gefühlschaos im Bauch. »Keine Beziehung, keine Verpflichtungen, keine Liebe, keine weiteren Kontakte – nur reiner Sex.« So lautete unsere Abmachung. Ich redete mir damals noch ein, dass es genau das war, was ich wollte. Eigentlich hatte ich gehofft, dass sich mein »kleines Problem« von selbst erledigen würde, sobald ich Ben nur ein einziges Mal gehabt hätte. Ich hatte immer gedacht, man könne normalerweise davon ausgehen, dass der Sex mit einem mehr oder weniger Unbekannten nicht so berauschend ist, wie man sich das vorher vorstellt. Normalerweise. Wegen der fehlenden Vertrautheit und all so was. Hatte ich gedacht. Doch das Gegenteil war der Fall: Es war vom ersten Mal an klar, dass es im Bett zwischen uns perfekt lief. Ich fühlte mich, als hätte ich endlich den fehlenden Teil meines unvollständigen Liebeslebens gefunden. Außerdem dämmerte mir so langsam, was ich bisher beim Sex vermisst hatte. Und jetzt? Jetzt hatte ich ein großes Problem.
***
Die nächsten Tage verbrachte ich wie unter Drogen. Ich hatte Mühe, meinen Alltag zu bewältigen. Ständig musste ich an Ben denken und ich spürte noch immer überall seine Hände. Es war nicht einfach, sich nichts anmerken zu lassen, da ich mich in einem unbeschreiblichen Zustand befand. Ich fieberte nur unserem nächsten Treffen entgegen – für andere Gedanken war in meinem Kopf kein Platz. Dazu kam die Angst, dass es gleich wieder vorbei sein könnte. Und das schlechte Gewissen. Außerdem wusste ich, dass ich ihn nicht wirklich haben konnte. Und das wollte ich auch gar nicht.
...
Aber ich war zu sehr in ihn verliebt, als dass ich mir auch nur hätte vorstellen können, jemals wieder mit einem anderen Mann zu schlafen.
»Du hast gehabt, was du wolltest – und jetzt willst du nichts anderes mehr.«
So Bens einfacher, aber sehr zutreffender Kommentar zu meiner mangelnden Vorstellungskraft bezüglich des Beischlafs mit anderen Männern. (Dass ich in ihn verliebt war, hatte ich ihm selbstverständlich nicht gesagt.) Ben wiederum war vermutlich inzwischen zu sehr an guten Sex gewöhnt, um einen Schlussstrich zu ziehen.
Die Sache wurde immer verrückter. Sogar als sich bei ihm Besuch angekündigt hatte, der auf der Durchreise war und über Nacht bleiben wollte, machte er ein Treffen mit mir aus. Diesmal fing er mich allerdings gleich im Treppenhaus ab und lotste mich sofort in sein Schlafzimmer. Die Besucher – zwei Mädchen und ein junger Mann – sollten mich auf keinen Fall sehen, denn zumindest eins der beiden Mädchen kannte Janine und mich flüchtig aus dem Andromeda. Und wir hatten Janine versprochen, sie aus allem rauszuhalten und möglichst nicht in Verlegenheit zu bringen. Bens Plan war gewesen, die spontanen Gäste mit seinem jüngeren Bruder Jonas ins Kino zu schicken. Doch der hatte so kurzfristig abgesagt, dass ich bereits eine Stunde auf der Autobahn unterwegs und damit schon fast bei Ben angekommen war. Nun saßen die drei jungen Leute offensichtlich im Wohnzimmer vor der Glotze und fragten sich bestimmt, was zum Teufel hier ablief.
»Was hast du denen erzählt?«, wollte ich wissen.
»Oh, nichts Besonderes. Ich habe nur gesagt, dass ich heute Abend Besuch bekomme, in meinem Schlafzimmer bin und auf keinen Fall gestört werden will ...«
»Ach so«, sagte ich. Und damit war das Thema erledigt.
Nun, wir bemühten uns wirklich, nicht übermäßig laut zu sein. Aber ständig musste jemand ins Bad und kam dann zwangsläufig an unserer Zimmertür vorbei. Natürlich gelang es uns nicht ganz, den Eindruck zu erwecken, dass wir hier drinnen hochgeistige Gespräche führten oder Briefmarken sortierten. Als ich später Bens Wohnung verließ, war ich heilfroh, niemandem über den Weg zu laufen. In einer solch grotesken Situation befand ich mich zum ersten Mal – aber das war wahrlich nicht das Einzige, was ich in letzter Zeit zum ersten Mal erlebte.
***
Ben arbeitete immer seltener in der Diskothek. Das war auch besser so, denn dann musste ich nicht diese grausamen Wochenenden überstehen, an denen er bei uns übernachtete. An denen ich ihn nicht anfassen, geschweige denn sonst etwas mit ihm tun durfte und immer auf einen sittsamen Mindestabstand zu achten hatte. Oliver ignorierte mich weiterhin und tat so, als würde ihm gar nicht auffallen, dass ich mich verändert hatte oder irgendwie seltsam verhielt. Ich vermutete, dass es ihm schlichtweg egal war, solange ich ihn in Ruhe ließ und er den Kopf in den Sand stecken konnte.
Janine wusste ja Bescheid. Das war mein Glück, denn sie kannte mich zu gut, als dass ich auf Dauer etwas vor ihr hätte verbergen können. Nicole wusste vermutlich inzwischen auch Bescheid, tat aber so, als wäre alles wie immer. Und dachte sich ihren Teil.
Für mich wurde es immer schwieriger, mich allein im Andromeda aufzuhalten. Ständig wurde ich von irgendwelchen Männern angesprochen. Ich fragte mich langsam wirklich, ob ich ein Brandzeichen auf der Stirn trug: »Ich hab’s getan« oder »Gehe fremd« oder so etwas in der Art. Einmal versuchte ein Grieche, ein wirklich bildschöner Mann, heftig mit mir zu flirten. Ständig machte er mir Komplimente. Er kriegte sich fast nicht ein über meinen »geilen Arsch« und so weiter. Selbstverständlich ging ich nicht auf seine Anmachsprüche ein, doch er war nicht zu entmutigen. Da ich mich nach wie vor nicht von Männern einladen ließ, versuchte ich ihn – zwar höflich, aber sehr bestimmt – loszuwerden. Das funktionierte bei diesem Exemplar leider nicht ganz so reibungslos wie sonst.
An jenem Abend fand ein Tanzwettbewerb statt, daher war es unheimlich voll. Normalerweise hielt ich mich lieber in den ruhigeren Locations auf, dieses Gedränge hier war mir fast zuwider. Doch der Wettbewerb interessierte mich sehr, da auch zwei Bekannte von mir daran teilnahmen. Mühsam hatte ich mir etwas zu trinken und einen Stehplatz an einem kleinen Tisch erkämpft, von dem aus ich die tänzerischen Darbietungen relativ gut sehen konnte. Der Grieche nutzte diesen Umstand zu seinem Vorteil. Ich hatte ständig das Gefühl, als hätte er seine Hände irgendwo an meinem Körper, und bei dem Platzmangel hier war es ganz schön anstrengend, diese zu beaufsichtigen. Überhaupt wusste ich bis dahin gar nicht, dass es Menschen mit so vielen Händen gab! Als er endlich kapierte, dass er so bei mir nicht weiterkam, beschloss er wohl, noch etwas mehr in die Offensive zu gehen: Er behielt seine Hände bei sich. Dafür drückte er mir einen anderen (harten) Teil seines Körpers an die Hüfte und sagte oder schrie mir vielmehr ins Ohr: »Ich hätte jetzt Lust, so richtig geilen Sex mit dir zu haben.«
Ich verschluckte mich an meinem Sekt. Hoppla, das war ziemlich direkt! Sollte ich ihn für besonders draufgängerisch oder nur für besonders unverschämt halten?
Als ich wieder Luft bekam, entschied ich mich für Letzteres und erwiderte ebenso direkt: »Tut mir leid, daraus wird nichts. Oder sehe ich etwa so aus, als würde ich mit jedem ins Bett gehen?«
Darauf antwortete er schlagfertig: »Wer hat gesagt, dass ich mit dir ins Bett will? – Ich will dich auf diesem Tisch da, hier und jetzt ...«
Mir schoss das Blut in den Kopf. Ich gebe zu, auch in eine tiefer gelegene Region. Ausnahmsweise fiel mir keine passende Antwort ein, da ich erst einmal nach Luft schnappen musste. Also beschloss ich, lieber sofort den Turbo-Rückzug anzutreten und schleunigst nach Hause zu gehen. Ohne mein Glas auszutrinken und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehte ich mich um und kämpfte mich durch zum Ausgang. Anscheinend waren alle Männer verrückt geworden! Ich war wirklich weder aufreizend gekleidet noch geschminkt. Ich wäre zu dieser Zeit auf gar keinen Fall so, wie ich mich für Ben zurechtmachte, allein ausgegangen! Außerdem benahm ich mich in der Öffentlichkeit grundsätzlich eher zurückhaltend. Aber vielleicht rochen Frauen, die einen jungen Liebhaber hatten, irgendwie anders als anständige Ehefrauen? Oder es stimmte, dass Frauen mit einem aufregenden Intimleben eine viel stärkere Ausstrahlung hatten und dadurch attraktiver wirkten. Da musste etwas Wahres dran sein, denn momentan liefen mir die Männer regelrecht penetrant hinterher, und das nicht nur, wenn ich ausging. Sogar beim Einkaufen oder wenn ich sonst irgendwo zu Fuß unterwegs war, stellte ich manchmal erstaunt fest, dass die Pfiffe und das Hupen tatsächlich mir galten.
***
Am nächsten Tag beim Frühstück ging mir der Vorfall noch immer durch den Kopf. Ich erzählte meinem Mann von dem Griechen. Vielleicht in der vagen Hoffnung, dass es ihn interessierte, was los war. Oder, dass ich ihn interessierte. Fehlanzeige. Ich war mir nicht einmal sicher, ob er überhaupt richtig zugehört hatte. Wo war der Mann geblieben, in den ich mich vor über zwanzig Jahren verliebt hatte? Der den gleichen Humor besaß und sich für die gleichen Bücher und Filme begeistern konnte wie ich? Mit dem ich mich stundenlang über jedes, wirklich jedes erdenkliche Thema unterhalten konnte? Der mich pausenlos – mit manchmal fast derben Späßen – neckte, um mir im nächsten Moment zärtliche Kosenamen zu geben? Wo war Oliver, und wer zum Teufel war der Kerl, der seit mittlerweile fast drei Jahren neben mir herlebte und sich nur noch für sich selbst interessierte?
Schließlich fragte ich beiläufig: »Sag mal, sehe ich irgendwie aus, als hätte ich es nötig?«
Eigentlich hatte ich erwartet, dass er entweder gar nicht reagieren oder aber fragen würde, wie ich das denn genau meinte. Doch Oliver sah mich tatsächlich einen Augenblick lang aufmerksam an.
Dann antwortete er ganz trocken: »Ja« und wandte sich wieder seiner Börsenzeitung zu. Danke schön.
Ich ließ mir nicht anmerken, wie sehr mich das verletzt hatte. Auch die nächsten Tage bemühte ich mich – wie immer – perfekt zu funktionieren. Arbeiten, Haushalt … der normale Alltag hatte mich wieder. Es fiel mir unheimlich schwer, das durchzuziehen. Doch dann kam er endlich: der Donnerstag, das Highlight der Woche.
Es war immer sehr spannend, denn ich wusste nie, wie Ben mich empfangen würde. Manchmal fiel er schon an der Tür über mich her. Doch manchmal wollte er lieber essen, reden oder fernsehen – bis er dann plötzlich und ohne Vorwarnung damit anfing, mich auszuziehen. Das alles gehörte zu unserem Spiel. An diesem Abend kam ich nicht einmal dazu, »Hallo« zu sagen. Ich wollte gerade meine Sachen an der Garderobe abstellen, da hatte ich schon seine Zunge im Mund und seine Hand zwischen meinen Beinen. Ich trug die schwarze Lederhose, die er so scharf fand – das heißt, ich trug sie nicht besonders lange. Während er mich küsste, dass mir die Luft wegblieb, fiel schon mein Gürtel zu Boden. Im nächsten Moment hatte er mit geschickten Händen meinen Reißverschluss geöffnet und meine Hose heruntergezogen. Er kniete sich vor mir auf den Boden und streifte mir den Slip ab. Bisher war noch kein Wort gefallen, außer meinem keuchenden Atem war kein Geräusch zu hören.
»Ben, lass mich doch erst einmal richtig hereinkommen ...«, murmelte ich.
»Sei still.«
Er drückte mir die Beine auseinander und begann, dort unten mit seiner Zunge zu spielen. Meine Knie zitterten, ich starb fast vor Erregung. Nach ein paar Minuten konnte ich es einfach nicht mehr ertragen – ich stöhnte auf und zog ihn zu mir hoch. Sekunden später hatte ich das Objekt meiner Begierde ausgepackt und versuchte, ihm Platz zu machen, damit er in mich eindringen konnte. Das war in Schuhen und mit der Hose an den Knöcheln gar nicht so einfach. Doch Ben dauerte das zu lange, denn er hatte es verdammt eilig. Mit einem Ruck drehte er mich um, drückte mich an die Wand und nahm mich von hinten. Vermutlich war die Nachbarschaft wieder einmal »live« dabei. Das Haus war sehr hellhörig.

Schreiben Sie die erste Kundenrezension!

REZENSION SCHREIBEN

Ihre Bewertung*
0 / 5 Sterne
Hinweis:
Ihre E-Mail Adresse wird natürlich nicht in den Kundenrezensionen veröffentlicht!