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Schloss der dunklen Leidenschaft | Erotischer SM-Roman

(1)

von

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Dieses E-Book entspricht 248 Taschenbuchseiten

Hildburghausen Anfang des 19. Jahrhunderts: Die zwanzigjährige Celina ist verzweifelt. Aufgrund finanzieller Probleme sowie der Spielsucht ihres Vaters muss sie sich – entgegen ihrer ursprünglichen Pläne – einen Ehemann suchen.
Als Celina auf einem Ball von einem aufdringlichen Verehrer beinahe vergewaltigt wird, flieht sie in den Wald und stößt auf die mysteriöse Sophia. Sie und ihr Gefährte Morelle führen ein sehr zurückgezogenes Leben in einem Schloss und werden von den Leuten »Dunkelgraf« und »Dunkelgräfin« genannt.
Trotz ihrer Skepsis tritt Celina eine Stelle als Gesellschafterin bei ihnen an und merkt ziemlich schnell, worauf sie sich eingelassen hat. Denn Sophia und Morelle führen sie schamlos in die Geheimnisse der Unterwerfung sowie der außergewöhnlichen Genüsse ein.
Sie sind aber nicht die Einzigen, die ein Geheimnis hüten …

Über den Autor Angelique Corse:
Schon von Kindesbeinen an galt Angeliques größte Leidenschaft dem Schreiben. 2015 begann sie, unter verschiedenen Pseudonymen vielseitige Werke zu veröffentlichen. Mit „Sünde in Schwarz“ legt sie ihr Debüt im Erotik-Genre vor. Was für sie den Reiz an SM-Erotika ausmacht? „Der Kontrollverlust und die absolute Hingabe. Außerdem das Verruchte, Verbotene.“

Schloss der dunklen Leidenschaft | Erotischer SM-Roman

von Angelique Corse

Ein erleichterter Seufzer glitt über ihre Lippen. Die erste negative Hürde auf dem Heiratsmarkt schien erfolgreich überwunden. Denn so heikel und ausweglos ihre Lage auch war – Celina zog ein Leben in Armut einer Ehe mit einem dreißig Jahre älteren Mann vor. Auch wenn sie das Caroline niemals sagen würde. Doch in so einer Verbindung wäre sie niemals mehr als eine mit Ehering geschmückte Hure, einzig und allein dafür zuständig, das verstaubte Bett ihres Mannes zu wärmen.
Die Musiker spielten zum Tanz und Celina erhob sich vom Diwan. Kaum hatte sie das getan, war sie von sechs jungen Männern umringt, die ihr Recht auf einen Tanz einfordern wollten. Celina reichte ihnen willig die mit Spitze bedeckte Hand, obwohl ihr Lächeln nur zum Teil echt war. Ihre Partner waren attraktiv, nach der neuesten Mode gekleidet und von gepflegter Erscheinung. Trotzdem hatte Celina das Gefühl, als würde jeder Einzelne von ihnen sie auf ihr Erscheinungsbild und insbesondere auf ihre hervorgehobene Weiblichkeit reduzieren. Natürlich versuchten sie aus Höflichkeit, den Blick auf ihre Augen oder ihr schmales Gesicht zu richten. Doch Celina spürte, dass die Augen ihrer Gegenüber wie aus einem inneren Zwang heraus immer wieder zu ihrem Dekolleté schweiften. Ebenso waren die Griffe um ihre Taille fester als nötig.
Celina konnte sich lebhaft vorstellen, dass die Herren gern anderes tun würden, als sich nur im Takt der Musik zu bewegen. Obwohl sie nicht prüde war und über eine Menge theoretisches Wissen diesbezüglich verfügte, spürte Celina ein starkes Unbehagen. Trotz der tadellosen Fassade machten diese Männer den Eindruck, als würden sie sie am liebsten sofort ins Bett holen oder schlimmer noch in der nächsten unbeobachteten Ecke verführen. Keiner setzte sich zu ihr oder versuchte, eine Unterhaltung zu beginnen, obwohl ihr Interesse offensichtlich war.
Nach dem gefühlt hundertsten Mal hatte Celina genug. Erschöpft ließ sie sich in die mit Satin bezogenen Kissen sinken und spielte gedankenverloren mit einer Haarsträhne. Verzweifelt versuchte sie, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Zwar hatte Celina gewusst, dass bei einer schnellen Verlobung körperliche Reize eine große Rolle spielten, aber dass die Männer sie ansahen wie ein Stück Fleisch, welches man ohne nachzudenken billig erwerben konnte, ging entschieden zu weit.
Celina ballte die Hände zu Fäusten und rief sich selbst zur Ordnung. Ihre schlechte Situation erforderte bedingungslose Anpassung. Sie musste einen Ehemann finden, um jeden Preis. So unauffällig wie möglich tupfte Celina sich die Schweißperlen von der Stirn und versuchte, ruhig zu bleiben.
Plötzlich fuhr Celina wie vom Blitz getroffen zusammen. Sie spürte einen intensiven Blick auf sich. Doch dieser Blick fühlte sich anders an als die übrigen an diesem Abend. Sie spürte Finsternis, Gier, aber auch eine gewisse Erhabenheit. Sie schluckte. Ihre Nackenhaare stellten sich reflexartig auf, als spürten sie ihre Angst. Wer beobachtete sie? Und wo befand sich derjenige? Obwohl Celina gezwungen war, ihre Haltung unverändert beizubehalten, ließ sie ihren Blick so unauffällig wie möglich durch den weiträumigen Saal wandern. Alles, was sie sah, waren Öllichter, Kerzen und Fackeln, die alles in ein leicht gebrochenes Licht tauchten. Nebenbei schwirrten die zahlreichen Gäste angeregt umher, junge Dandys und Männer jedes Alters. Erstere tanzten und schwatzten, während Letztere sich bevorzugt dem Genuss von Brandy und Zigarren widmeten.
Wenn sie nicht gerade auf Brüste starren, dachte sie zynisch.
Celinas Herzschlag beruhigte sich ein wenig, doch eine gewisse Unruhe blieb. War das Ganze vielleicht nur Einbildung?
Auf einmal hatte Celina das Gefühl, als stünde der Beobachter direkt hinter ihr. Sein kalter Atem streifte ihren Rücken. Gleich würde er sie von hinten packen. Blut schoss in Celinas Wangen und alles in ihr schrie danach, sich umzudrehen. Aber sie wagte es nicht – aus Furcht, sich lächerlich zu machen. Schließlich war es nicht einmal sicher, ob dieser Fremde überhaupt existierte.
Celina räusperte sich und griff hinter sich nach ihrem Jäckchen. Sie hatte einen Entschluss gefasst. Mit schnellen Schritten flüchtete sie aus dem Ballsaal, ohne nach links oder rechts zu schauen. Die Angst jedoch blieb, sogar dann, als die Mietkutsche sie wohlbehalten ins Elternhaus gebracht hatte.
Immer noch ängstlich zog sie sich in ihr Zimmer zurück. Was würde Caroline dazu sagen, dass Celina den Ball so überstürzt und ohne Gruß verlassen hatte? Die junge Frau kannte ihre Mutter gut genug, um zu wissen, dass diese ihr keine Vorwürfe machen würde. Aber die Enttäuschung in ihrem Blick zu sehen, war fast noch schlimmer, auch weil die Zeit erbarmungslos davonflog. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie viel Geld Alvin verspielt hatte, während seine Tochter alles versuchte, um die Familie zu beschützen.
Celina stieß einen langen Seufzer aus und kniete sich auf ihr einfaches Bett. Träumerisch wanderte ihr Blick hinaus zum Mond, dessen silbernes Licht ihr Gesicht streichelte. Schon früh hatte sie sich gewünscht, so frei zu sein wie er. Die Menschen zu beobachten, um die Welt zu reisen und dabei vielleicht Wissen zu erlangen, das noch niemand besaß. Celina blinzelte die aufsteigenden Tränen fort und hoffte, dass ihre Träume nicht unwiderruflich der Vergangenheit gehörten.
Du belügst dich selbst, schallte die Vernunft durch ihren Kopf. Das Leben als Ehefrau endet mit dem Tod. Es sei denn, er macht dich zur Witwe.
Energisch versuchte Celina, ihre Gedanken auf etwas anderes zu richten, und erinnerte sich unwillkürlich an den beschämenden, sonderbaren Vorfall im Ballsaal. Jenes Gefühl jagte noch immer eine Gänsehaut über ihren Körper. An eine Einbildung glaubte sie mittlerweile nicht mehr. Jemand hatte sie beobachtet, dessen war Celina sich ganz sicher.
Doch es hatte sich nicht schmierig und vulgär angefühlt wie bei den anderen Männern des Abends, sondern finster, geheimnisvoll und verführerisch. Diese Tatsache löste, wie Celina erst jetzt spürte, ein starkes Prickeln in ihr aus. Etwas Derartiges kannte sie nicht, höchstens vielleicht von ihren nächtlichen Streifzügen in die Bibliothek und vom Genuss verbotener Bücher.
Wild schüttelte Celina den Kopf. Aber es war zu spät. Wie von selbst lehnte ihr Oberkörper sich nach vorn, sodass ihre Brüste kurzzeitig das Fensterbrett streiften. Obwohl diese noch immer durch das eng geschnürte Korsett verhüllt waren, richteten die Nippel sich sofort auf und entlockten ihr einen Seufzer. Ohne es richtig zu merken, leckte Celina sich über die Lippen und ihre Hände begannen, an den Außenseiten ihrer Oberschenkel entlangzustreichen.
Mit jeder einzelnen Bewegung kehrten Celinas Gedanken zu dem Unbekannten zurück. Wer er wohl war? Da sie sein Gesicht nicht kannte, hatte ihre Fantasie freien Lauf. Lange, schwarze Haare, ovales, leicht kantiges Gesicht. Seine Augen konnte sie nicht erkennen, da er hinter ihr auf dem Bett kniete. Sein kühler Atem glitt über ihren Rücken, während eine Hand nach ihrer Schulter griff.
„Du wolltest heute Abend fliehen.“ Die männlich tiefe, lockende Traumstimme ließ Celina zusammenzucken. Es war das Angenehmste, was sie seit langer Zeit gehört hatte. „Aber es wird dir nicht gelingen.“
Eine Gänsehaut rieselte über Celinas Körper, während das Trugbild mit kräftiger Hand über die Schnürung rieb, ohne diese jedoch zu öffnen. Sie stieß einen unwilligen Laut aus, was ihn auflachen ließ.
„Du möchtest aus deinem Gefängnis heraus, nicht wahr?“
Celina nickte stockend und vergaß beinahe, dass sich außer ihr selbst niemand im Zimmer befand.
„Nun, es liegt allein in deiner Hand, dich daraus zu befreien.“
Ein flüchtiger Kuss berührte ihren Nacken. Wie von Sinnen versuchte Celina, ihre Brüste herauszuheben, doch die massiven Stäbe hinderten sie daran. Mit jeder Bewegung schienen sie sich noch tiefer in ihre Haut zu drücken. Ärgerlich ballte Celina die Hände zu Fäusten und griff nach den Vorderhaken, um diese zu öffnen.
Caroline würde einen Schreikrampf bekommen, dachte sie, zumal das Kleidungsstück dabei zerbrechen könnte.
Aber Celina kümmerte sich nicht darum. Befreit stieß sie die Luft aus und sah zu, wie ihre Brüste wie reife Äpfel in ihre ursprüngliche Position zurückfielen. Sofort nahm Celina sie, streichelte sanft über weiche, etwas kühle Haut, fasste anschließend die Brustwarzen, um sie erneut zu stimulieren. In Sekundenschnelle verhärteten sie sich, wurden sensibler und die Haut darum kräuselte sich. Celina fokussierte ihre Gedanken auf den Unbekannten und für einen Moment waren es nicht ihre, sondern seine Hände, die das Feuer immer mehr entfachten. Selbst die Kälte in ihrem Zimmer spürte Celina nicht mehr. Sie strich sich über die Arme, erkundete jeden Zentimeter ihres Körpers und knetete ihre Pobacken. Einen Wimpernschlag zögerte Celina. Sie gierte nach mehr.
„Tue es.“ Der Befehl aus den Tiefen ihrer Fantasie traf sie wie ein Schlag, der sie aufstöhnen ließ. „In einsamer Lust, so lange es dem eigenen Vergnügen dient.“
Celina wusste zwar nicht, was er damit meinte, gab sich selbst jedoch winzige Klapse und streckte ihren Po unbewusst nach hinten. Das Jauchzen in ihrer Kehle unterdrückte sie gerade noch rechtzeitig. Nicht auszudenken, wenn ihre Mutter sie erwischte.
Celina spreizte die Beine so weit wie möglich auseinander. Eine kurzweilige Pause verschaffte nur der Luftzug, der geradewegs auf ihre erhitzten Schamlippen fiel. Sie spürte die einzelnen Tröpfchen, welche in den rötlichen Locken ihrer Schamlippen warteten. Celina teilte ihre Schamlippen, benetzte den Zeigefinger mit jener farblosen Flüssigkeit, welche die Innenseiten überzogen hatte, und rieb über ihre geschwollene Klit.
Ein leichter Schmerz durchfuhr sie, die flüchtigen Berührungen reichten bei Weitem nicht aus, um sie wirklich zu befriedigen.
Wie schön wären jetzt zusätzliche Hände oder auch ein Gegenstand.
Celina wusste nicht, woher dieser Gedanke kam, und errötete bis in die Haarspitzen. Von irgendwoher erklang das schelmische Lachen ihres Traumbildes.
...
Dass ihre Freundin ihre zum Teil rebellische Ansicht nicht teilte, hatte Celina sich gedacht. Schon immer war Anne die Stille und Gehorsame gewesen, während sie selbst sich durch einen leicht aufmüpfigen Charakter auszeichnete. Dies hatte in der Vergangenheit manchmal zu kleinen Reibereien geführt, aber niemals eine Entfremdung verursacht.
Bis jetzt. Nachdem Anne ihr in den Rücken gefallen war und sie entrüstet gemaßregelt hatte, hatte Celina das Gefühl, einen anderen Menschen vor sich zu haben. Von der Schockiertheit und Annes Aufforderung, demütig vor Gott zu kriechen, ganz zu schweigen. Jener Ratschlag war nicht nur sinnlos, sondern bei näherer Betrachtung auch völlig absurd. Entgegen den Konventionen hatte sie keinen großen Bezug zum Glauben, beschränkte ihre Aktivitäten diesbezüglich auf den wöchentlichen Kirchgang am Sonntag. Und Anne wusste das.
Verbissen kämpfte Celina das Gefühl von Einsamkeit nieder und richtete ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf die anderen Gäste des Balls. Dieser war weniger stark besucht als der letzte, was Celina mit Erleichterung erfüllte. Zwar hatte sie trotzdem eine volle Tanzkarte, jedoch berührten die gierigen Blicke sie viel weniger als am Abend zuvor.
Einen Wimpernschlag lang meinte sie sogar, ihren unbekannten Beobachter in der Menge zu spüren. War er auch hier? Der Gedanke selbst dauerte nur kurz, trotzdem reichte es, ihr einen Schauer über den Körper zu jagen. Gleich darauf spürte sie eine starke Hitze, selbst das dünne Seidenkleid schien an ihrem Körper zu kleben. Schweißperlen rannen ihr über Stirn und Schläfen, verfingen sich in einzelnen Strähnen, die aus ihrer Frisur geschlüpft waren.
Um ihre Erregung zu überspielen, nahm Celina eine bequeme Sitzposition ein, wobei ihre roten Wangen mit Sicherheit nicht unbemerkt blieben.
„Verdammt.“ Celinas Hände zitterten wie Espenlaub und sie drückte ihren Rücken gegen die Lehne. Das verhinderte zwar ein nervöses Hin- und Herrutschen, konnte ihre Fantasien jedoch nicht aufhalten. Celina schloss die Augen. Innerhalb weniger Minuten war sie der Welt entrückt.

„Was passiert hier?“, fragte sie sich nach einer Weile und hatte Mühe, klar zu sehen.
Ihre Augenlider waren schwer wie Blei und Celina fühlte sich, als wäre sie gerade aus einer tiefen Ohnmacht erwacht. Außerdem klebte der Seidenstoff wie eine zweite Haut an ihrem Körper und zeichnete ihre weiblichen Formen deutlich nach.
„Ich wünschte, ich könnte es einfach ausziehen“, fauchte Celina verärgert, ohne sich bewusst zu sein, was sie aussprach. Das Korsett drückte gnadenlos in ihre Seiten.
„Warum tust du es nicht?“ Die plötzlichen Worte ließen sie zusammenzucken. Doch anstatt aufzuspringen, starrte Celina wie hypnotisiert auf die geisterhaften Schemen, die sich unruhig und nur wenige Meter von ihr entfernt bewegten. Nach und nach löste sich eine schwarz gekleidete Gestalt aus ihnen. Obwohl Celina weder seine Augen noch sein Gesicht vollständig erkennen konnte, verzogen sich ihre Lippen zu einem strahlenden Lächeln. Der Mann war ohne Zweifel ihr fremder Beobachter. Woher Celina diese Erkenntnis nahm, wusste sie nicht.
„Guten Abend, Celina.“ Die Angesprochene war überrascht, dass er ihren Namen kannte und sie außerdem sofort duzte.
Aber selbst diese seltsame Tatsache ignorierte sie arglos und konzentrierte sich stattdessen auf seine blauschwarzen Haare, die wie ein Umhang über die breiten Schultern fielen. Wie mochten sie sich zwischen ihren Fingern anfühlen? Celinas Augen glänzten vor unterdrücktem Verlangen. Obwohl sie mit derartigen Dingen bisher nur theoretische Erfahrungen hatte, siegten Hunger und Neugierde über jedes andere Gefühl. Ihr Gegenüber schien es zu spüren. Er grinste amüsiert und entblößte dabei zwei Reihen weißer Zähne.
„Hast du es so eilig, meine Schöne?“ Seine Hand legte sich auf ihre Stirn und glitt langsam, aber sicher ihre Wange und den Hals hinab.
Ohne Zögern streckte Celina sich ihm entgegen, sie lechzte nach jeder winzigen Berührung. Doch er ließ sich Zeit und presste seine Lippen auf ihre. Celina keuchte, auch weil er sie mit einem wilden Zungenspiel überfiel. Doch anstatt sich zu wehren, krallte sie sich in seine Schultern und versuchte, das Spiel so gut wie möglich zu erwidern.
Erst nach einigen Minuten lösten sie sich wieder voneinander und Celina rang nach Atem. Sie versuchte, in das Gesicht des Fremden zu schauen. Welche Farbe mochten seine Augen haben? Bestimmt dunkel, geheimnisvoll. Wie würden diese sie anblicken? Wie ein Objekt der Begierde, mit dem man ein paar schöne Stunden verbringen wollte? Oder wie ein billiges Stück Fleisch, welches man danach wegwarf? Die Aussicht auf Letzteres ließ Celina erneut die Hand zur Faust ballen. Es ärgerte sie, nicht zu wissen, was der Fremde beabsichtigte, und noch mehr, dass ihr ein Blick in seine Augen versagt blieb. Denn diese waren das Fenster zur Seele.
Ein unwilliges Murren entwich ihrem Mund und der Unbekannte grinste erneut.
„Keine Angst, meine Schöne. Alles wird zur rechten Zeit ans Licht kommen.“
Celina presste die Lippen aufeinander und schwieg. Obwohl seine Stimme ihr einen Gänsehautschauer über den Rücken jagte, trösteten die Worte sie nur begrenzt. Seit den Vorfällen in ihrer Familie hatte Celina schmerzhaft gelernt, dass Worte häufig über die Realität hinwegtäuschten. Die Begründungen und Versprechungen ihres Vaters erwiesen sich als Schall und Rauch. Sie unterdrückte die Traurigkeit und blickte ihr Gegenüber stattdessen fragend an. Ihr innerer Aufruhr war ihm nicht verborgen geblieben.
„Fürchte dich nicht.“ Celina erschrak, als sie seine kräftigen Finger an ihrem Hals spürte. Würde er etwa …?
„Ich will dich nicht schänden.“
Ist das gleichbedeutend mit ‚Ich will dir nicht wehtun‘? Noch während ihr diese Überlegung durch den Kopf schoss, spürte sie, wie die Luft erneut knapp wurde.
Ihre Augen weiteten sich. Der Fremde würgte sie! Im Bruchteil von Sekunden überzog ein hauchdünner Schweißfilm Celinas Arme und Beine. Der rasende Puls ließ Handgelenke und Schläfen alarmiert pochen, ebenso erfüllte ein brennender Schmerz ihren Hals. Dennoch zwang sie sich, ruhig liegen zu bleiben und sich auf den Fremden zu fokussieren. Was auch immer er vorhatte – Hysterie würde nichts nützen, außer dass sie noch schlechter atmen könnte.
Zu Celinas Verwunderung ließ ein zärtliches Lächeln seine Gesichtszüge weicher werden, doch machte der Fremde keine Anstalten, seine Hand von ihrer Kehle zu nehmen. Stattdessen griff er nach unten und schob mit einer einzigen Bewegung ihre Röcke zur Seite. Etwas Kühles, Undefinierbares streifte über die nunmehr entblößten Schenkel. Celina hörte ihn schwer atmen und die Röte zog sich bis in ihre Haarspitzen. Hatte er bemerkt, dass …?
„Oh.“ Sein warmer Atem liebkoste die Innenseiten ihrer Schenkel. „Du bist feucht.“
Celina wimmerte. Mehr konnte sie nicht tun und dies war nicht allein dem leichten Würgen geschuldet. Woher ihre Erregung kam, wusste sie nicht, dafür aber, dass solche Neigungen als abartig galten.
„Die Menschen verabscheuen oft Dinge, die sie nicht verstehen.“
Mit diesen Worten kroch der Fremde wieder nach oben und strich ihr tröstend übers Gesicht. Für kurze Zeit schloss Celina entspannt die Augen, obwohl die Hand noch immer auf ihrem Hals ruhte. Im nächsten Moment verschloss er ihre Lippen, diesmal mit einer ungestümen Leidenschaft, die Celina nur allzu gern durch Aufsetzen erwidert hätte. Doch sie war nahezu bewegungsunfähig.
„Vertrau mir.“
Celina spürte, wie er langsam ihr Mieder öffnete und den Ansatz ihrer Brüste liebkoste.
Sie stöhnte leise und verfluchte erneut das Korsett. Jenes drückte das sensible Fleisch nach oben, ohne es vollständig freizugeben. Aber genau das wollte und brauchte Celina jetzt. Sie biss die Zähne zusammen und musterte ihr Gegenüber flehend. Das leichte Zittern ihrer Schenkel und das heiße Verlangen nach mehr war kaum noch zu ertragen. Er schmunzelte. Seine Hand legte sich ohne Zögern auf den unnachgiebigen Stoff.
„Jedes Gefängnis ist nur so lange eines, bis man weiß, wie man fliehen kann.“
Er küsste ihren Hals, ohne die Hand fortzunehmen. Celina entspannte sich so gut wie möglich, fuhr aber zusammen, als eine kurze, heftige Bewegung folgte. Erschrocken starrte sie den Fremden an. Er hatte ihr Korsett einfach nach unten gebogen und so ihre Brüste befreit. Ein Keuchen verließ ihren Mund, gefolgt von starker Gänsehaut. Nur knapp unterdrückte Celina den Impuls, die Arme zu verschränken. Niemals zuvor hatte sie jemand so gesehen.
Doch anstatt der erwarteten Scham durchflutete eine verschlingende Hitze ihren Körper, auch weil der Fremde sie ohne Zögern streichelte. Quälend langsam umkreisten seine Finger zuerst den äußeren Rand, zeichneten die Apfelform nach, bevor sie sich den Brustwarzen widmeten. Diese kräuselten sich wie auf ein geheimes Zeichen hin und wurden anschließend hart wie Stein. Celina stöhnte. Alles in ihr bettelte, er solle bloß nicht aufhören, im Gegenteil: Sie wollte mehr, viel mehr.
Der Fremde schien es zu spüren. Abrupt beendete er seine Zärtlichkeiten und begann stattdessen, Celinas Brüste grob zu kneten. Seine Hände gruben sich regelrecht in das empfindliche Fleisch, was sie mit einem erstickten Stöhnen beantwortete. Die Möglichkeit einer Gegenwehr kam ihr überhaupt nicht in den Sinn, obwohl das, was sie hier taten, ungewohnt war.
„Ich werde dir geben, wonach du verlangst, meine Schöne.“ Seine Stimme ließ Celinas Schenkel unwillkürlich zucken. „Zuvor aber werde ich deinem pikanten Geschmack noch ein bisschen Würze hinzugeben.“
Obwohl sie nicht verstand, was genau er damit meinte, leuchteten ihre Augen erwartungsvoll, obwohl auch ein wenig Angst dabei war. Doch Celina wusste, dass er sie nicht verletzen würde. Der Fremde grinste teuflisch, ihr Vertrauen schien ihm zu schmeicheln. Langsam hob er sein Rotweinglas und führte es erst an seine, dann an Celinas Lippen. Diese trank eilig, obwohl sie den Geschmack von Alkohol eigentlich verabscheute.
Plötzlich spürte Celina, wie etwas Feuchtes über ihren nackten Oberkörper rann, und unterdrückte einen Aufschrei.

Sabine M. 17.08.2019 

Celina, Tochter aus (ehemals) reichem Elternhaus, muss - um die Familienehre zu retten - heiraten. Celina entspricht jedoch nicht dem üblichen Frauenklischee, sondern liebt es eigenständig zu denken, zu handeln und vor allem Bücher zu lesen. Sich unterzuordnen kann sie sich nicht vorstellen. Als sie vor einem zudringlichen Verehrer flüchtet, stößt sie auf die mysteriöse Sophia und ihren Gefährten Morelle. Beide wohnen im "dunklen Schloss", über das man so einiges munkelt. Sie haben kaum Kontakt zu den Dorfbewohnern, was die Gerüchte noch anschürt. Sie wird bei den beiden als Gesellschafterin eingestellt und ihre Tagträume finden Erfüllung. Schloss der dunklen Leidenschaft von Angelique Corse spielt im 19. Jahrhundert. Die Menschen sind - nach außen hin - prüde, Frauen werden unterdrückt. Celina, die bis zu ihrem 20. Lebensjahr ein angenehmes Leben führte, wird mit der Wirklichkeit konfrontiert, als ihre Mutter ihr offenbart, dass die Familie wegen der Spielsucht des Vaters kein Geld mehr hat. Der einzige Weg, die Familie zu retten, besteht darin reich zu heiraten. Celina hat jedoch (Tag)Träume, die ihr Liebe und ein sexuell erfülltes Leben versprechen. Celine ist also keine typische Frau dieses Jahrhunderts. Der Autorin ist es gelungen, die Gedanken- und Gefühlswelt von Celine mir als Leserin zu vermitteln. Der Schreibstil ist gut, wenn auch für mich die Szenen der (Tag)Träume anfänglich etwas verwirrend in die Geschichte eingebaut waren. Durch die unterschiedlichen Schriftarten, erkennt man jedoch gut den Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit. Die erotischen Szenen sind angenehm, hauptsächlich handelt es sich um eine Beziehung zwischen den Frauen, Morelle, die männliche Hauptperson, spielt eine untergeordnete Rolle. Ein nettes Buch für Zwischendurch. Leider hat mir an der Geschichte die Spannung gefehlt, die die Story - aufgrund des Themas - hätte haben können. Trotzdem auf alle Fälle lesenswert.

REZENSION SCHREIBEN

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