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Mut zur Geilheit | 10 Erotische Geschichten

von

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Dieses E-Book entspricht 192 Taschenbuchseiten

Zehn neue Geschichten von Brooklyn Collins, dem Schreiber deftiger und gleichzeitig romantischer Erotik.
Freuen Sie sich auf lebendig erzählte Abenteuer, die mal zum Schmunzeln anregen, mal tief berühren und mal Gänsehaut verursachen – oder alles zusammen.
Erwachsene Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten, vereint in lustvoller und sexueller Ekstase – prickelnder Natursekt inklusive.
Es gibt kein Gestern oder Morgen, es gibt nur ein geiles Jetzt und Hier!

Mut zur Geilheit | 10 Erotische Geschichten

von Brooklyn Collins

Ich war pünktlich und entschloss mich spontan, am Haupteingang direkt an der Straße zu läuten. Was sollte dieses Versteckspiel? Mich interessierte Johns Laden, und das durfte ruhig jeder wissen. Von fern hörte ich noch den Klang der Kirchenglocken. John öffnete.
Umrahmt von zwei Schaufensterpuppen in sündhaft schönen roten Dessous prosteten wir uns zu. Dann führte er mich durch seinen Laden.
»Sadomaso ist heute sehr beliebt«, erklärte er mir und griff nach einem Paar Handschellen. »Die Leute wollen halt ein wenig Abwechslung in ihr tristes Liebesleben bringen.«
Ich schmunzelte und ließ meinen Blick über verschiedene Peitschen schweifen, die an der Wand befestigt waren.
»Für was steht denn dieses große X dort?«, wollte ich wissen.
»Das ist ein Andreaskreuz«, erwiderte John. »An dem hängen Sklavinnen und Sklaven und lassen sich voller Lust auspeitschen.«
Ich nickte schmunzelnd.
Nachdem wir durch die Film-Regale geschlendert waren, gelangten wir in die von John so genannte »Print-Abteilung«. Jede Menge bunter Magazine lockten mit verführerischen, teilweise bizarren Titelbildern. Auf dem letzten Regal standen ein paar Taschenbücher.
»Such dir eins davon aus«, ermunterte mich John. »Ich schenke es dir.«
»Ich kann auch gern bezahlen«, wandte ich ein.
»Geht nicht, Andrew«, erwiderte John. »Heute ist Sonntag, da darf ich nichts verkaufen.«
Ich hätte natürlich das erste Buch von links nehmen können oder auch das erste Buch von rechts. Tat ich aber nicht. Stattdessen griff ich wahllos in die Mitte. Ich ahnte nicht, dass ich – genau in diesem Augenblick, mit dieser spontanen unbewussten Entscheidung – meinem ganzen Leben eine völlig neue Wendung gegeben hatte ...
»Lass mal sehen«, sagte John, nahm mir das Buch aus der Hand und las vor: »Carla Culingus, Ekstatische Momente. Kenne ich noch gar nicht. Aber mal ganz ehrlich, Andrew: Carla Culingus ... Ich denke, der Name ist hier Programm. Was meinst du? Und dann der Verlag. Großer Gott! Black Lion Books. Na ja, das lässt zumindest auf eine spannende Kombination von Kraft und Magie schließen, oder? Du kannst mir später ja mal erzählen, ob dir das Buch gefallen hat. Brauchst du eine Tüte?«
Ich schüttelte den Kopf, bedankte mich und steckte das Büchlein in die Seitentasche meines Sakkos. Ein paar Minuten später verabschiedete ich mich.
***
Am folgenden Tag wechselte ich das Sakko. Deshalb schlummerte das Buch eine knappe Woche in meinem Kleiderschrank. Erst als ich Samstagnachmittag verzweifelt nach meiner Autobrille suchte und deshalb in alle vorhandenen Kleidertaschen griff, bekam ich es wieder in die Hand.
Nicht nur der Titel versprach prickelnde Erotik. Auch das Coverbild hatte es in sich. Es zeigte die nackte Rückansicht einer jungen Frau mit einem wunderschön kleinen, herzförmigen Popo.
Nachdem ich auch die Autobrille wiedergefunden hatte, legte ich mir eine CD mit klassischer Klaviermusik auf, füllte ein Glas mit Rotwein und setzte mich in meinen Ohrensessel mit Blick auf den frühlingsgrünen Baum im Garten. Dann nahm ich das Buch zur Hand.
Zunächst blätterte ich es schnell durch – knapp 250 Seiten, gegliedert in eine Einleitung und zehn Kapitel. Ich begann mit der Einleitung und las: »Ob es Ihnen gefällt oder nicht, ich bin eine gläubige Katholikin.«
Stopp! Ich schaute mir noch einmal das hübsche Coverbild an und trank einen Schluck Wein. Schon dieser erste Satz hatte es in sich. Ich fühlte eine gewisse Seelenverwandtschaft. Warum sollte eine gläubige Katholikin nicht einen so hübschen Herzchen-Popo haben? Noch einen Schluck Wein.
Dann las ich weiter: »Ich möchte Ihnen von der größten Liebe meines Lebens erzählen. Von meiner Beziehung zu einem außergewöhnlichen Mann, mit dem ich so gut wie alle Varianten der körperlichen Lust und Leidenschaft ausprobiert und himmlisch genossen habe. Bitte sehen Sie mir meine deutliche Ausdrucksweise nach. Wie soll ich es denn anders beschreiben als so: Sein praller, leckerer Schwanz verwöhnte mich mit Hingabe in meiner Muschi ebenso wie in meinem engen Hintereingang. Mit seiner flinken Zunge streichelte er meine feuchten Schamlippen, meine zuckende Klitoris und die Rosette in meinem Popo. Ich frage Sie: Wollen Sie wirklich noch weiterlesen? Ja? Sie sind neugierig geworden? Gut, dann erzähle ich Ihnen, wie Roland und ich uns kennengelernt haben.«
Ja, flüsterte meine innere Stimme. Ja, erzähl es mir bitte!
»Es war während der heiligen Messe am Sonntagvormittag. Ein junger Mann, den ich nicht kannte, saß neben mir auf der Bank. Offenbar hatte er sein Gesangbuch vergessen, denn plötzlich beugte er sich zu mir und sah in mein Buch. Wir sangen ein Lied über Menschen, die in dichtem Nebel steckten und erst durch Gottes Hilfe wieder herausfanden.«
Welch ein spannendes Lied, schoss es mir durch den Kopf. Ja, ja, diese Naturgewalten ...
»Beim Umblättern trafen sich unsere Finger. Es war wie ein Stromstoß, der durch meinen ganzen Körper raste. Ich spürte deutlich, dass die Hände dieses Mannes zitterten. Wir schauten uns an, und nach der letzten Strophe klopfte ich ihm ganz leicht auf die Schulter. Im Gegenzug streifte der Mann wie unabsichtlich meinen linken Oberschenkel.«
So etwas kommt vor, meine Liebe, dachte ich. Sogar dann oder gerade dann, wenn der liebe Gott zuschaut. Aber weiter.
»Nachdem die Messe beendet war, stellte sich Roland vor und lud mich in ein nahes Café ein. Wir tranken Tee, und als wir spürten, dass wir uns irgendwie mochten, bestellte er noch zwei Gläser Sekt. Wir stießen an, ich verliebte mich in seine blauen Augen, die hinter seinen Brillengläsern so schön funkelten.
Wir stellten fest, dass wir beide an der Universität studierten. Roland hatte Jura belegt, ich Germanistik. Wir tauschten unsere Telefonnummern aus, sprachen dann fast täglich miteinander.
Am folgenden Sonntag verabredeten wir uns wieder in der Kirche. Ich weiß noch genau, dass der Pfarrer über eine Bibelstelle sprach, die lautete: ›Du wirst mich den Pfad des Lebens erkennen lassen.‹
Noch am selben Abend landeten wir in meinem Bett und erlebten unsere erste zärtliche Liebesnacht. Wir hatten uns nackt ausgezogen und erkundeten mit zitternden Händen und flatternden Zungen den Körper des anderen. Roland hatte einen wunderschönen Schwanz, der sich mir erwartungsvoll entgegenstreckte. Als seine Finger zum ersten Mal über meine Schamlippen strichen, spürte ich, wie der Liebesnektar aus meiner Muschi tropfte und über meine Oberschenkel rann. Ich warf Roland einen flehenden Blick zu. Endlich! Endlich bohrte er seinen Schwanz ganz tief in mein kleines Heiligtum.
***
Rebecca! Rebecca Dalton! Die Germanistikstudentin! Plötzlich fiel mir ihr Name ein, und vor meinem geistigen Auge schwebte eine mittelgroße Frau mit langen blonden Haaren, einem kleinen, festen Busen, einem flachen Bauch, einer von blonden Locken umrahmten Möse und langen schlanken Beinen.
Gut, über dreißig Jahre waren vergangen, seitdem wir beide während des Studiums ein paar Wochen lang zusammengelebt hatten. Wir hatten uns während der Messe kennengelernt. Ob es ausgerechnet dieses neblige Lied war, wie soll ich das noch wissen? Wir hatten ein paar schöne Stunden miteinander verbracht, meistens in unserem großen Doppelbett. Aber nach Semesterschluss habe ich dann die Uni gewechselt. Danach gab es noch ein paar Telefonate, und dann war Schluss! Endgültig!
Also, verehrte Miss Carla Culingus, was immer Sie da erzählen: Mit mir kann es doch wohl nichts zu tun haben. Schon deshalb nicht, weil ich damals noch gar keine Brille trug. Oder doch? Jetzt mal ganz ehrlich: Es gibt sicherlich Millionen von Menschen, die sich auf Kirchenbänken kennengelernt haben. Und es gibt zahllose Katholikinnen und Katholiken, die sowohl fromm sind als auch voller sexueller Leidenschaft. Was war daran so ungewöhnlich? Dennoch bewunderte ich ihre blühende Fantasie. Oder hatte sich da jemand ihr anvertraut?
Egal. Ich füllte mein Glas, setzte mich wieder, blätterte wahllos im Buch herum und las schließlich weiter auf Seite sechsundfünfzig.
Großer Gott! Na und?, schoss es mir sofort durch den Kopf. Auch das beweist noch gar nichts.
»Fast jeden Sonntag fuhren Roland und ich in seinem roten Mini ins Grüne und suchten einen versteckten lauschigen Winkel. Dort liebten wir uns nach Herzenslust, und ich entdeckte mein himmlisches Verlangen, von Roland anal genommen zu werden, während ringsherum die Vögel zwitscherten. Einmal wären wir beinahe von Spaziergängern erwischt worden, doch dies geilte uns beide noch mehr auf. Ja! Warum sollten ein paar Spießer nicht zuschauen und staunen, wie Roland seinen Ständer durch meine Rosette stößt, ihn wieder herauszieht, wieder hineinstößt. Mein Gott, sein Schwanz bescherte mir das Paradies auf Erden!«
Können Sie sich vorstellen, liebe Carla Culingus, wie viele Studenten einen roten Mini fahren? Das ist doch nichts Besonderes! Und das Vögeln in offener Landschaft, egal in welche Öffnungen, das kommt doch mehr als einmal vor, oder?
Ich spürte, wie der Wein mir zu Kopf stieg. Aber ich konnte nicht aufhören – weder aufhören zu trinken noch aufhören zu lesen. Irgendwie verschwamm die Realität meines Wohnzimmers in einem dichten Nebel – wie in dem Kirchenlied.
Das Buch fiel auf den Teppichboden. Ich hob es hoch, schlug es wieder auf und landete zufällig auf Seite hundertdreiunddreißig.
»Roland liebte seine Modelleisenbahn, die er in einer Ecke unseres Wohnraums aufgebaut hatte. Erst kürzlich hatte er sich eine neue schwarze Lokomotive gekauft. Während er sie mit der Fernbedienung über die Schienen lenkte, kniete ich mich vor ihn hin und öffnete den Reißverschluss seiner Hose.
Sein langer schlanker Penis hüpfte mir entgegen. Ich streckte meine Zunge heraus und leckte über den blau-geäderten Schaft. Dann zog ich die Vorhaut zurück und legte seine dicke rosafarbene Eichel frei. Ich leckte mehrmals über den Eichelrand, schließlich schleckte ich den Lusttropfen ab, der sich vorn an der hübschen Ritze gebildet hatte.
Nun nahm ich auch meine Hand zu Hilfe und rieb über den Schaft, der inzwischen steinhart geworden war. Ich spürte, dass Roland bald kommen würde.
...
Aus dem niedrigen Shop an der Ecke fiel ein schwacher Lichtschein auf den Gehsteig. Mia trat näher. Ein Schild über der dunkelbraunen Eingangstür trug die Aufschrift »Second Hand Kleidung«. Mia brauchte zwar nichts, aber sie war neugierig, wollte sich einfach mal umschauen.
»Gern, Madam«, sagte die Verkäuferin mit einer einladenden Handbewegung. »Melden Sie sich einfach, wenn ich Ihnen behilflich sein kann.«
Im hinteren Teil des Ladens entdeckte Mia eine Kleiderpuppe mit kurzen blonden Haaren. Sie trug ein hellgrünes Kostüm mit einer schwarzen Bluse darunter, schwarze Netzstrümpfe und schwarze Schnürpumps. Um ihren Hals blitzte eine dünne grüne Perlenkette. Mia blieb vor der Puppe stehen und betrachtete sie. Die Kunstfigur wirkte lebensecht. Nachdem ein, zwei Minuten vergangen waren, bemerkte Mia, dass die Verkäuferin sie verstohlen beobachtete. Plötzlich stand sie hinter ihr.
»Gefallen Ihnen die Kleider, Madam? Sie können sie alle haben, die Größe würde passen.«
Mia schmunzelte, strich sanft über den Ärmel der Kostümjacke.
»Diese Sachen wurden zu Lebzeiten von einer berühmten Frau getragen«, fuhr die Verkäuferin fort.
»Berühmt?«, fragte Mia.
»Na ja«, erwiderte die Verkäuferin, »nicht gerade weltberühmt, aber ziemlich bekannt war sie schon. Sang oft in den Saloons dieser Gegend. War der Schwarm vieler Männer, hatte allerdings nie geheiratet. Ein Mann ist sogar wegen ihr aus dem Leben geschieden. Der Arme! Konnte es nicht ertragen, dass sie ihn immer wieder betrogen hatte. Ein Vollblutweib war das. Sie sah den Männern in die Augen und hypnotisierte sie förmlich. Dann senkte sie den Blick und starrte den Männern in den Schritt. Leckte sich über die Lippen, wenn sie eine Wölbung wahrgenommen hatte. Verstehen Sie?«
Mia lächelte, versuchte, ihre Verlegenheit zu überspielen. »Ich bin ein ganz anderer Typ«, sagte sie. »Aber wer weiß? Wenn ich diese Kleider anziehe, übertragen sich vielleicht auch die Eigenschaften dieser Frau auf mich. Ich habe mal so etwas gelesen.«
»Das hängt davon ab, ob sie wirklich eine andere werden wollen«, antwortete die Verkäufern. »Wirklich wollen. Dann könnte es tatsächlich funktionieren.«
Mia schwieg, ließ ihren Gedanken freien Lauf. Und ob sie eine andere werden wollte. Und ob! Wer war sie denn schon? Eine Frau von zweiundvierzig Jahren, mit zwanzig in eine unglückliche Ehe geschliddert, drei Jahre später geschieden. Versunken in Männerfeindlichkeit und Einsamkeit. Statt Männer anzuziehen, sah sie schnell weg, wenn ihr einer zu nahe kam.
Na gut, einen geschiedenen Arbeitskollegen hat sie zwei-, dreimal an sich rangelassen. Der spritzte im Rekordtempo, schlief sofort danach ein, während Mia schließlich mit eigenen Fingern versuchte, sich ein bisschen Lust zu verschaffen. Das war es: ein bisschen Lust wenigstens. Aber selbst das schien ihr das Leben verwehren zu wollen.
Okay, aus ihr war halt eine graue Maus geworden. Bei ihrer Mutter war es ganz ähnlich gewesen. Mangelnde Attraktivität vererbt sich wahrscheinlich. Und jetzt ... mit zweiundvierzig? Na ja, träumen darf frau ja. Die Gedanken sind frei.
»Ich mache Ihnen einen Sonderpreis«, unterbrach die Verkäuferin Mias Gedanken. »Alles, was die Puppe am Leibe hat, für runde fünfzig Dollar. Und zusätzlich verrate ich Ihnen noch ein Geheimnis.«
»Ein Geheimnis?«, fragte Mia neugierig.
»Ja, aber nur, wenn Sie sich zu einem Kauf entschließen.«
Der Wind draußen rüttelte an der Ladentür. Mia wollte auf einmal partout nicht Nein sagen. Nicht schon wieder verzichten. Nicht schon wieder weglaufen vor sich selbst. Nicht schon wieder die graue Maus herauskehren. Sie hörte, dass sie Ja sagte. Ganz laut: »Ja!«
Die Verkäuferin schmunzelte. »Gut. Jetzt kommt das Geheimnis: Wenn Sie wirklich eine andere werden wollen, die so richtig begehrt wird, die gern auch mal im Rampenlicht stehen möchte, nicht ständig, aber ab und zu mal. Wenn Sie das wirklich wollen ... dann ziehen Sie sich jetzt bitte aus.«
»Sie meinen, ich soll die Kleider der Puppe anprobieren?«
»Nein, noch nicht«, erwiderte die Verkäuferin. »Außerdem versichere ich Ihnen, dass alles passt. Dafür habe ich einen Blick, glauben Sie mir.«
»Ja, aber warum ...«
»Ziehen Sie alles aus, was Sie anhaben. Sie brauchen keine Angst zu haben. Warten Sie.«
Mia sah, dass die Verkäuferin zur Eingangstür ging. Dann hörte sie, wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Mia zog ihren Mantel aus, schüttelte ihr dunkelblondes Haar. Dann streifte sie ihre Strickjacke ab, zog die Hose aus, dann die Bluse, blickte unschlüssig um sich.
»Das reicht noch nicht«, sagte die Verkäuferin. »Sie müssen ganz nackt sein.«
Mia gehorchte. Gott sei Dank war es ja kein männlicher Verkäufer, der sie zum Striptease aufforderte. Dann stand sie nackt zwischen der Puppe und der Verkäuferin, bedeckte unwillkürlich ihre Scham mit beiden Händen.
»Sie haben hübsch geformte Brüste und einen schönen flachen Bauch«, sagte die Verkäuferin. »Männer mögen so etwas. Jetzt nehmen Sie mal unten die Hände weg ... Was gibt es denn da zu verstecken? Sieht doch toll aus, Ihre Muschi. Vielleicht zu viele Haare drum herum. Die sollten Sie bei Gelegenheit etwas stutzen. Und jetzt ziehen Sie einfach mal die Schamlippen auseinander ... ja, prächtig. Ist ja sogar schön feucht geworden da unten. Wenn Sie sich jetzt umdrehen wollen ... Auch Ihr Popo ist ja eine wahre Augenweide für männliche Wesen. Kompliment. Sie dürfen sich jetzt gern bücken ... noch ein bisschen tiefer ... gut so. Die Rosette hat eine hübsche rote Farbe, die würde gut harmonieren mit den Eicheln vieler Männerschwänze. Entschuldigung, dass meine Fantasie manchmal durchdreht. Ich bin halt so.«
»Und jetzt?«, fragte Mia. Sie spürte, wie ihr Herz hämmerte. Dieses bizarre Spiel erregte sie.
»Jetzt umarmen Sie die Puppe so fest wie Sie können! Ja, gehen Sie ganz nah dran! Pressen Sie Ihre Brüste fest gegen den Puppenkörper! Schieben Sie Ihr Becken weit nach vorn ... ja, gut so. Bleiben Sie so stehen! Schließen Sie die Augen! Und jetzt stellen Sie sich eine Frau Ihres Alters vor, die vor nichts Angst hat, vor gar nichts, die die Männer im Nu erobert. Die der ganzen Welt den Stinkefinger zeigt. Haben Sie verstanden? Erscheint eine solche Frau vor Ihrem geistigen Auge? Ja? Sieht sie so aus wie Sie? Konzentrieren Sie sich! Strengen Sie Ihre Fantasie an!«
Zwei endlose Minuten lang verharrte Mia in dieser Position. Dann hörte sie wieder die Stimme der Verkäuferin. »Okay, das war’s. Sie können sich jetzt anziehen.«
Mia drehte sich zu dem Stuhl um, auf dem ihre Kleider lagen.
»Moment«, stoppte sie die Verkäuferin. »Sie sollen jetzt nicht Ihre alten Kleider anziehen, sondern Ihre neuen.« Dann trat sie zur Puppe und entkleidete sie Stück für Stück. Sie ließ sich sehr viel Zeit, roch genießerisch an jedem Kleidungsstück, besonders an dem rosafarbenen Seidenslip. Mia sah splitternackt zu. Inzwischen bedeckte sie nicht mehr ihre Blöße, hatte stattdessen ihre Hände fast angriffslustig in ihre Hüften gestemmt. Hallo? Schließlich war auch der Puppenkörper nackt. Er präsentierte ihr zwar die Figur einer jungen Frau, aber dennoch: Mias feste Brüste und ihr Knackarsch hielten den Vergleich mit der Figur aus Kunststoff durchaus stand. Unwillkürlich lächelte Mia der Puppe zu, als wollte sie sagen: Guck mal, ich mit zweiundvierzig kann es noch gut mit dir aufnehmen.
»So«, sagte die Verkäuferin, »jetzt dürfen Sie Ihre neuen Kleider anziehen.«
Mia griff nach dem Seidenhöschen.
»Stopp, junge Frau, stopp! Was zieht eine Frau als Erstes an, wenn Sie nackt vor dem Spiegel oder noch besser vor den Augen eines Mannes steht? Doch nicht das Höschen!«
Mia zuckte mit den Achseln. »Bisher habe ich immer ...«
»Bisher! Was heißt denn schon ›bisher‹? Sie wollen doch eine komplett andere werden oder nicht? Also ... zuerst die Strümpfe, bitte!«
Mia nahm einen der schwarzen Netzstrümpfe und bückte sich.
»Nochmal stopp«, rief die Verkäuferin. »Stellen Sie sich einfach vor, dass ich ein Mann bin, der genau dort steht, wo ich jetzt stehe. Wenn sie sich dann bücken, dann immer mit dem Arsch in seine Richtung! Sie glauben gar nicht, wie Männer diesen Anblick lieben, wenn sich beim Bücken die beiden Popohälften ein wenig teilen und sie einen Blick in diesen geilen dunklen Tunnel einer Frau werfen dürfen. Die flippen aus. Glauben Sie mir: Die flippen aus!«
Mia hatte begriffen, präsentierte der Verkäuferin ihren nackten Hintern, während sie die schenkellangen halterlosen Strümpfe überzog.
»Zeit lassen, viel Zeit lassen ... Ja, so ist es gut. Als Nächstes ...«
»Ich denke mal: die Pumps?«
»Korrekt, meine Liebe, korrekt. Und den Popo weiterhin in meine Richtung strecken ... Beim Zuschnüren ganz tief in die Hocke gehen und die Beine etwas spreizen! Die Augen der Männer sind unersättlich ... Ja, so. Gut gemacht.«
Mia erhob sich, atmete befreit aus und warf der Verkäuferin einen fragenden Blick zu.
»Ich bin dafür, auf den BH ganz zu verzichten«, sagte die Verkäuferin. »Ziehen Sie jetzt einfach die schwarze Seidenbluse über und lassen Sie die oberen beiden Knöpfe offen ... Ja, so wie ich schon dachte. Die weißen Titten kommen wunderbar zur Geltung, die Nippel wollen sich förmlich durch den Stoff bohren. Spätestens jetzt hat selbst der spießigste Typ einen Steifen. Das können Sie mir glauben.«
Es folgten das rosafarbene Seidenhöschen, dann der Kostümrock, schließlich das Jäckchen. Ganz zum Schluss legte Mia die Perlenkette um.
Die Verkäuferin ging langsam um Mia herum. »Ja, das passt alles«, meinte sie. »Die Wirkung ist einzigartig. Ich bin stolz auf Sie. Jetzt fehlt nur noch eines.«
»Und das wäre?«, fragte Mia.
»Dass wir beide noch ein Weilchen miteinander plaudern und ein Gläschen trinken. Auf Ihre neue Persönlichkeit! Auf Ihr neues Ich! Na, haben Sie Lust?«
Mia nickte. »Klar, warum nicht?«
Die Verkäuferin ging zu einem Wandschränkchen, öffnete es und holte eine Flasche mit zwei kleinen Gläsern heraus.
»Was ist das denn?«, fragte Mia. »So einen grünen Schnaps habe ich ja noch nie gesehen.«
»Das ist Absinth«, erwiderte die Verkäuferin. »Ein Kräuterschnaps der ganz besonderen Art. Man nennt ihn auch die ›Grüne Fee‹.«

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